Einspruch!

Jeder hat so seine Macken - der eine mehr, der andere weniger. Mich zum Beispiel interessiert morgens das Wetter draußen - wie ziehen wir die Kinderchen an, was erwartet mich auf dem Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit, wo gibt es Sturm? Auf meinem Handy ist eine App, auf der ich die Wetterdaten von Orten aufrufen kann, die aus irgendwelchen Gründen für mich POI`s sind; Point of Interest. Sei es, weil ich schon einmal dort war, oder weil ich dorthin vielleicht noch reisen möchte - oder beides. Neben anderen finden sich in den Daten der App zunächst Angaben zu folgenden Orten: Oldenburg, Deutschland: 0,2 Grad Celsius, Split, Kroatien: 18 Grad Celsius, Leros, Griechenland: 16 Grad, Sliema, Malta: 17 Grad, Pjöngjang, Nordkorea: minus 14 Grad (wer hätte das gedacht!), Nuuk, Grönland: plus 5 Grad Celsius.

Ende November 2017 in Norddeutschland: Null Komma zwei Grad über dem Gefrierpunkt

Ende November 2017 in Grönlands Hauptstadt Nuuk, 250 Kilometer südlich des nördlichen Polarkreises: Plus 5 Grad Celsius 
  "Schatz, haben wir denn mittlerweile überhaupt schon irgend einen Plan, wo wir hinfahren werden?"
  "Ehrlich, ich habe nicht den blassesten Schimmer. Vielleicht dorthin, wo es etwas wärmer ist...!?"
  "Dann lass` uns aufbrechen und nach Grönland ziehen, srce moje, denn dort ist es richtig schön kuschelig warm, so wie du es magst."

Ende November 2017 ist es am nördlichen Polarkreis wärmer als in Norddeutschland. Dort, wo zu dieser Jahreszeit noch vor wenigen Jahren Minusgrade im zweistelligen Bereich herrschten, kommt der gemeine Moschusochse auf dem Wollgras aus den Frühlingsgefühlen gar nicht mehr heraus. Die Gletscher schmelzen dramatisch ab und legen Landschaftsgebiete frei, die nie zuvor ein Mensch erblickt hat, jedenfalls kein Homo sapiens. Gleichzeitig steigt der Meeresspiegel an und bereitet einigen Menschen auf der Erde allmählich Probleme.

Ob wir uns Sorgen machen sollten? Das glaube ich nicht. Worüber auch? Denken wir doch einfach mal groß und lassen unser eigenes Mensch/Klima-Fehlverhalten mal beiseite (was, laut Trump, nicht einmal bewiesen ist), für den Planeten Erde in diesem Sonnensystem ist das, was jetzt passiert, nur eine Delle in seiner Temperaturkurve, die vielleicht irgendwann irgendwer später "Warmzeit" oder die Zeiten davor und danach "Eiszeit" oder "Kleine Eiszeit" oder was auch immer nennen wird. Es wird nüchtern festgestellt werden, dass der heutige Meeresspiegel anstieg, ebenso wie wir heute registrieren, dass der Meeresspiegel vor Jahrmillionen um hunderte Meter gefallen ist. Das war für die betroffenen Bewohner sicherlich unangenehm, aber die Erde drehte sich einfach weiter. Ob es sich bei der Ursache der unterschiedlichen Meeresspiegelhöhen um einen Vulkanausbruch, Meteoriteneinschläge, eine Verschiebung der Kontinentalplatten, Atombomben werfende Verrückte, eine Epidemie oder um den CO2-Ausstoß der Fortbewegungsmitteln der die Oberfläche des Planeten kurzzeitig bewohnte Spezies Mensch handelt, ist im Grunde irrelevant. Die Erde wird davon nicht untergehen, sie wird sich so lange weiterdrehen, bis unsere Sonne ihre Energien verbraucht, sich aufgebläht, wieder geschrumpft und schließlich, als Weißer Zwerg, in etwa so groß wie unser heutiger Heimatplanet sein wird. Doch das erlebt die Menschheit ebenso wenig wie andere Lebewesen auf der bis dahin durch die Hitze der sich zunächst vergrößernden Sonne glühend heißen sterilen Oberfläche der Erde.
Nach wissenschaftlichen Angaben sind es bis dahin noch zwischen 1,1 und 6 Milliarden Jahre.
So gesehen, ist es zurzeit selbst im vergleichsweise sommerlichen Nuuk heutzutage noch sehr sehr kalt.
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Da ich nach unserem Sommerurlaub 2017 vor Kraft und Motivation kaum noch laufen konnte, begannen die Bauarbeiten am kleinen Badezimmer im Erdgeschoss kurz nach unserer Rückkehr. Es sollte a) gut werden, es sollte b) preiswert(er) werden (KVA vom Installateurbetrieb: 25.000 Euro) und es sollte vor allem c) möglich werden (siehe Blogpost vom 7.9.2017). 
Heute Morgen habe ich die letzten Überprüfungen abgeschlossen und das Bad für eröffnet erklärt.

Vorher
Nachher
Vorher war`s irgendwie gemütlicher, oder? Na, egal, jetzt ist es fertig.
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Anschließend (mal wieder) zum Augenarzt, der routinemäßig den Augendruck und die Netzhaut überprüfte. Es stellte sich heraus, dass ich mittlerweile scheinbar in der Lage bin, den Druck im Auge recht genau zu schätzen. Der fachmedizinisch sicher nicht ganz korrekte Begriff dafür ist wohl: Es ist Ruhe im Karton.Wir, d.h. mein Buddy der Augenarzt und ich beobachten das noch eine Weile, dann erklärt mich hoffentlich irgendwann irgendwer als geheilt.
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Vor einigen Wochen haben wir Steuerbescheide erhalten, die bislang vorläufig gestellt waren und bis in die Jahre 2011 bis 2015 zurückreichen. In ihnen wurden so hohe Nachzahlungen gefordert, dass ich die Durchführung einer weiteren Unternehmung aus eigener finanzieller Kraft für gefährdet hielt. Hintergrund war die Grönlandexpedition im Jahre 2013 als Unternehmen, die nun rückwirkend als Liebhaberei eingestuft wurde. Mein erster Reflex: die spinnen wohl! Das zahl` ich nicht, niemals, das muss ein Fehler sein. Ich klage.
pugnabit vulturis - der Pleitegeier des Nordens
Anschließend hatte ich dann einem Termin bei einem Steueranwalt. Der spinnt auch. Ich sollte lieber zahlen, sagte er. Liebhaberei wäre ein extrem dickes Brett und nur schwer zu widerlegen. Selbstverständlich habe ich ihn augenblicklich gefeuert. für seine Ausführungen gelobt und ihm für die Zeit und seinen Rat gedankt.
Ich legte dennoch Einspruch gegen die Entscheidung ein und wurde erhört. Die Expedition wurde gestern vom Finanzamt als Unternehmung mit Gewinnerzielungsabsicht anerkannt und die Bescheide entsprechend geändert (Hintergrund und "Schuld an der Geschichte" war übrigens auch das Auge: als ich mit der Vermarktung der Grönlandgeschichte in den Gewinnbereich kam, verließ mich mein Auge und ich konnte und durfte monatelang kein Auto fahren und konnte somit keine Vorträge halten).
Auch die Kairos-Geschichte wird als Unternehmen geführt und die Bescheide werden vorläufig gestellt. Es droht erneut das Damoklesschwert der Liebhaberei - es sollte uns also gelingen, mit der Vermarktung dieser Geschichte Gewinne zu erzielen. Die Crux bei dem Tatbestand der Liebhaberei ist: Einnahmen müssen versteuert - Aufwendungen können jedoch nicht geltend gemacht werden.
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Update Badezimmer: Es tropft beim Duschen unter dem Badezimmer durch die Decke in den Keller. Als Installateur mag ich zwar als Liebhaber anerkannt werden und kann scheinbar keine Gewinne erzielen - Einspruch werde ich in diesem Falle jedoch nicht erheben.
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Weihnachtsgeschäft. Obwohl die Goldschmiede mit Leidenschaft betrieben wird und ganz sicher aus Liebhaberei geboren wurde - hier wird die Gewinnerzielungsabsicht für die kommenden 371 Tage sicherlich nicht angezweifelt werden.