Mit Segeln Geld verdienen Teil II

Am Ende des ersten Teils hast du dir dein Konzept per Mail selbst zugesendet. Schlafe eine Nacht drüber und öffne diese Mail erst einen Tag später. Gehe bei der Lektüre in umgekehrter Reihenfolge vor: lese zuerst dein Vorhaben, dass du in einem Satz zusammengefasst hast und zuletzt erst das ausführliche Konzept.
Ziel dieser Vorgehensweise ist das Aufspüren von Ungereimtheiten und Widersprüchen. Was stimmt nicht, wo hakt es noch? Zieht sich an irgendeiner Stelle dein Magen zusammen oder ist alles rund? Würdest du diese Idee öffentlich machen oder klingt es sogar für dich zu sehr an den Haaren herbeigezogen? Falls nötig, bessere nach.
Es ist übrigens nicht alles in Stein gemeißelt, was du planst. Wie beim Wetter gibt es auch bei Unternehmungen Variablen, die sich unserer Planung entziehen. Es geht nur darum, einen Plan zu erstellen und zwar so sorgfältig wie möglich. Be professional!
Wenn wir die Unternehmung in die Bereiche Vorbereitung/Planung, Investitionen/Beschaffung, Durchführung und Monetarisierung i.s.v. Wertschöpfung aufteilen, liegt ein Viertel bereits hinter uns. Ab jetzt kommen wir in den Bereich Investitionen. Jeder Händler wird bestätigen: Im Einkauf liegt der Gewinn! In unserem Fall bedeutet das, dass wir unsere Aufwendungen ab sofort steuerlich geltend machen können. Die Kamera, die ich kaufe, um die Reise zu dokumentieren, ist für mich 19 Prozent billiger, weil die Mehrwertsteuer erstattet wird. Das gleiche gilt für die Ausrüstungsgegenstände für das Schiff, Liegekosten, Dienstleitungen, Visitenkarten, Briefpapier, Bürobedarf, Computer, Drucker und so weiter. Auch die Versicherungen können als Kosten steuerlich geltend gemacht werden.

ALDI-Aktion: Umzugskartons im Dutzend billiger und steuerlich absetzbar

Und noch einmal zur Erinnerung: Um steuerlich anerkannt zu werden, geht es nicht darum, Geld einzunehmen, sondern darum, die Absicht zu haben, Gewinne zu erzielen.

Das Konzept ist erstellt, die Investitionen sind getätigt. Jetzt kann das Unternehmen starten. Egal ob rund Ostsee oder rund Erde. Ob Atlantik solo oder als Teilnehmer einer Regatta. Es gibt viele Menschen, die dem Thema Segeln verbunden sind aber nicht die Möglichkeiten haben, selbst unterwegs zu sein oder aus anderen Gründen an den Reisen anderer teilhaben wollen. Ich fragte einmal eine Crew nach ihrer Weltumsegelung, ob sie geplant haben, ihre Erlebnisse mit anderen zu teilen, sei es als Buch oder in Vorträgen oder beides. "Ach nö, es gibt ja schon so viele Bücher zu dem Thema", war die Antwort. Das sehe ich anders. Jede Reise ist anders und jeder beleuchtet das gleiche Erlebnis aus einem anderen Blickwinkel und Kontext (tatsächlich empfinde ich persönlich es als eine Art Auftrag, das Erlebte zu teilen).

Wir sind also zurück im Heimathafen. Es folgt der letzte Teil des Unternehmens Segelabenteuer: der ernsthafte Versuch, Gewinne zu erzielen. Das bedeutet im Grunde nichts anderes als zu versuchen mehr einzunehmen als investiert wurde (zuzüglich der entstandenen laufenden Kosten). Dazu können zunächst die oben erwähnte Kamera und die Ausrüstungsgegenstände verkauft werden. Dabei gilt: jetzt werden 19 Prozent Umsatzsteuer fällig! Nächster Schritt: Verlag suchen und Buch schreiben. DVD produzieren und in den Handel bringen. Einhergehend mit der Veröffentlichung des Buches und der DVD können die Vorträge starten. Und sie sind es, die den größten Teil der Einnahmen ausmachen. Sie sind die Milchkühe unserer Unternehmung. Hundert Zuschauer, Eintritt neun Euro, macht neunhundert Euro Einnahmen. Nicht schlecht für anderthalb Stunden plus An- und Abfahrt. Raumkosten liegen zwischen null (Segelvereine) und zweihundert Euro (Kulturzentren). Laufende Kosten nahe Null. Werbung läuft über Pressemitteilungen an Tageszeitungen, Radiosender und Kultureinrichtungen. Dem Verlag wird im Zuge der Veröffentlichung Werbematerial, Plakate und Prospekte rausgeleiert. Ich hatte im Nachgang zur Weltumsegelung Vorträge vor bis zu dreihundert Zuschauern. Im Schnitt waren es zwischen achtzig und hundertzwanzig. Für Werbung habe ich nie Geld bezahlt. Hin und wieder wurde ich von Vereinen, Buchhändlern, Firmen oder Institutionen gebucht. Die Festgage betrug dann meist zwischen 400 und 600 Euro plus Mehrwertsteuer plus Fahrtkosten.
Wir brauchen nicht lange hin und her zu rechnen: selbst wenn wir von einem Schnitt von nur dreihundert Euro reden, sind wir nach zehn Vorträgen bei 3.000 Euro. Wann die break even- Gewinnschwelle erreicht ist, hängt im Wesentlichen von den Investitionen ab, aber selbst wenn wir von 30.000 Euro Einsatz reden, haben wir (pessimistisch gerechnet) nach einhundert Vorstellungen allein durch die Vorträge das Geld im Sack.

Hinzu kommen weitere Einnahmen über:
  • Tantiemen der Buchverkäufe
  • Buchverkäufe bei den Vorträgen und Direktverkauf über die Website
  • DVD-Verkäufe bei den Vorträgen, Amazon, eBay und Direktverkauf über die eigene Website
  • Werbeeinnahmen auf der Website
  • Artikel für Magazine, Zeitschriften oder Tageszeitungen schreiben
  • Spenden von Menschen, die das Unternehmen supporten
  • Sponsoren und Werbepartner (dazu später im Blog mehr)
  • Crowdfunding (dazu später im Blog mehr)
  • Bilderverkauf im Internet z.B. fotolia
Ob ich das genau so mache? Ja, genau so, wie oben beschrieben mache ich das auch. Warum ich dann noch in der Goldschmiede arbeite? Weil ich dort bei gleichem Einsatz mit vergleichbarem Spaßfaktor mehr Geld verdiene und - was wichtiger ist - ich bin abends bei meinen Lieben zuhause und nicht auf der Autobahn um im Umkreis von einhundert Kilometern Vorträge zu halten. Denn die Vorträge finden in der Regel am Abend statt.

Ich fasse mal zusammen: Um mit dem Segeln Geld zu verdienen, sollte man sich ganz darauf  einlassen. Und zwar von Anfang an. Es reicht nicht aus, eine Reise zu machen, ein Buch zu schreiben und darauf zu warten, dass der Geldregen eintritt. Ich schreibe an einem Buch etwa einen Monat in Vollzeit plus Recherche und Nachbereitung mit meiner Lektorin. In dieser Zeit habe ich den Laden geschlossen. Da muss ich schon eine Menge Bücher verkaufen, um das wieder einzuspielen. Ein Buch eignet sich eher als Ausweis einer Expertise, die man sich in einem bestimmten Bereich erworben hat und dient als Vehikel für die verhältnismäßig lukrativen Vorträge. Ansonsten gilt: Augen und Ohren auf, netzwerken, kommunizieren, trommeln, Gelegenheiten ergreifen und Fragen stellen. Vor allem auch mit (Steuer)Beratern und dem/der zuständigen Finanzamtsmitarbeiter/in sprechen und Vorgehensweisen erörtern. Wie auf See, gilt auch hier: jeder ist für seine eigene Reise verantwortlich.

Ob man davon leben kann? Ich glaube ja. Ich bin mir sicher, dass ich es mit o.g. Vorgehen schaffen würde, meinen Teil zum Familieneinkommen beizutragen und Rücklagen für die Finanzierung einer neuen Reise zu erwirtschaften. Als ich 2014 auf einem Auge erblindete, prüfte ich während der Zeit im Krankenhaus meine Optionen, denn ich glaubte nicht daran, dass ich mit nur einem Auge weiterhin als Goldschmied, Edelsteinfasser und Graveur arbeiten könnte. Dass ich mich letztlich gegen Vortragsreisen und für ein Studium entschied, war nur dem Umstand geschuldet, dass ich die Abende mit meiner Familie verbringen wollte.

Im Grunde alles ganz einfach, oder? Dann können wir uns demnächst irgendwann ja mal dem Thema Schulpflicht in Deutschland widmen.

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